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Rückblick 25 Jahre Nationalpark

Bewegte Küstenlandschaften und Lagunen der Ostsee

Aller Anfang war schnell

Die Geburt eines Nationalparks dauert in Deutschland von der Vision bis zur Gründung mindestens 10 Jahre. Nicht ohne Grund. Fachleute müssen die Einzigartigkeit und Ausstattung eines großen, wertvollen, weil noch ursprünglichen Naturgebietes erfassen und bewerten. Eigentum, Nutzungen, touristische Ziele, regionale Besonderheiten und Gewohnheiten müssen mit vielen Beteiligten besprochen und abgewogen werden. Zum Schluss muss alles für jedermann nachvollziehbar in Karte, Bild und Text verständlich sein. Die Väter und Mütter der in der Wendezeit gegründeten Nationalparks waren konkurrenzlose Sprintweltmeister dieser Planungsphase. Vom Beginn der Arbeit der Aufbaustäbe bis zum Beschluss der letzten entscheidenden Sitzung der Volkskammer der DDR im Jahr 1990 vergingen gerade einmal 5 Monate. Der Glanz des „Tafelsilbers der deutschen Einheit“ (K. Töpfer) zeigt sich seitdem mit jedem Jahr deutlicher. Wo immer mehr Landschaft verbaut und der Nutzungsdruck auf die verbleibenden Naturräume intensiver wird, sind Landschaften, in denen Natur Natur sein darf,  immer wertvoller.

 

Wir sind zu Gast

Ja, gastfreundlich sollte er von Anfang an sein, der Nationalpark, einzigartige Natur präsentieren, am besten mit Blick auf Tiere, die sonst nicht zu sehen sind und an tollen Aussichtspunkten. Die Seele soll hier ganz ungestört baumeln. Und alles zusammen muss bequem und gut erreichbar sein, ob mit dem Auto, zu Fuß, per Rad, Pferd, Kinderwagen, Surfbrett, Segelboot. Wie passt das zusammen? An manchen Stellen gar nicht. Die sensibelsten Kernbereiche des Parks, wo zum Beispiel seltene Küstenvögel ungestört am Strand brüten, sind allein der Natur vorbehalten. Dort ist der Besucher Zaungast ohne Zaun, dafür mit attraktiven Aussichtspunkten. Sie erlauben den Blick auf unberührte Küsten, auf Kranich, Rothirsch, Adler und Limikolen. Radfahrer und Wanderer finden ein Wegenetz, das den Nationalpark mit seinen vielen Gesichtern erkunden lässt. Für Menschen, die weniger mobil sind, gibt es Beobachtungsangebote, die Schritt für Schritt erweitert werden.
Bauen im Nationalpark ist ein Tabu, doch an Bohlenstegen und Plattformen wird regelmäßig gezimmert. 28 Aussichtsplattformen gibt es zwischen Weststrand und Hiddensee und 134 km Wanderwege, die größtenteils auch zum Radfahren genutzt werden können. Dieses Naturparadies bleibt erlebbar. Um es verstehen und die wahren Schätze kennen zu lernen, besuchten inzwischen annähernd 300.000 Gäste die Ausstellungen des Nationalparks. Die Ranger erzählten auf ca. 14.000 Führungen aus erster Hand, was die Vorpommersche Boddenlandschaft zu bieten hat.

 

Forever young

Nicht nur das neu angeschwemmte Küstenland des Nationalparks kommt beständig jung und frisch daher. Die Junior-Ranger als jüngste Nationalparkexperten, die Kinder, die Projekttage und Camps des Nationalparks mitmachen und die Praktikanten, die sie kräftig unterstützen bringen immer wieder eine frische Nationalparkbrise in die Köpfe und ins weite Land. Manche sind geblieben oder wiedergekommen, um für den Naturschutz zu arbeiten.

 

Wohin wandert die Küstenlinie in 25 Jahren?

Die Spitze des Darßer Ortes wuchs in den letzen 25 Jahren 600 Meter ins Meer, während am Weststrand dem einen und anderen markanten Windflüchter der Boden unter den Füßen weggespült wurde. Die Bernsteininsel haben Wind und Wasser in den letzten 5 Jahren komplett abtransportiert, während weiter nördlich ein neuer Sandhaken heranwächst. In der Vorpommerschen Boddenlandschaft entsteht gerade durch die ständig wandernde Küstenlinie ein Mosaik aus Lebensräumen für seltene Tier- und Pflanzenarten, Rast- und Überwinterungsplätze für tausende Vögel auf weiten Wattflächen und Strandwällen. Die stillen Lagunen der Ostsee sind nicht nur Kinderstube von Hering und Zander. Das Boddenwasser ist reich an Nährstoffen und Kleinstbewohnern wie Algen und damit Grundlage für das ständige Wachstum der typischen Schilfgürtel und kleinen Inseln.

 

Wenn die Wälder reden könnten

Sie würden ihre Nationalpark-Jugend als durchaus lebhaft darstellen. Auch wenn Förster lernen, den Wald in 100-Jahresschritte zu denken. Diese 25 Jahre Waldgeschichte leiteten den Wandel vom Wirtschaftswald zum Naturwald ein. Ziel ist, dass der Wald mit all seinen Bestandteilen ob Boden, Pflanze, Tier, eine funktionierenden, sich selbst regulierenden Organismus bildet. Dazu gehören hier heimische Bäume jeden Alters mit ausreichend Nachwuchs, alte, dicke Bäume und Totholz bis hin zum Humus, das aus vermodernden Pflanzenresten gebildet wird und die künftige Wald-Generation versorgt. Kiefernforsten in Reih und Glied erhielten Starthilfe auf dem Weg dorthin. Sie wurden mit jungen Buchen – die von Natur aus überwiegen würden – unterpflanzt. Die heimischen Baumarten konnten sich schneller ausbreiten, indem Fichten entnommen wurden. Erlenwälder wurden wieder mit dem nötigen Wasser versorgt. Das Auf-die-Sprünge-Helfen im Wald endet in absehbarer Zeit im Jahre 2017. Dann „soll der Wald sich selber leben“ wie es einst der Forstmann Dr. Max Kienitz (1849-1931) treffend formuliert hat.

Text von Katrin Bärwald,
Born 03.09.2014

"25 Jahre Nationalpark"
"25 Jahre Nationalpark"

Sonderveröffentlichung

Eine Broschüre mit Rückblick auf die vergangenen 25 Jahre, Besonderheiten des Nationalparks, Beobachtungstipps und Nationalparkpartner.